Keinen. Da steht: »keinen«. Wie man keinen erfolgreichen Roman schreibt.
Dies ist also kein Ratgeber im Sinne von »Wie man einen verdammt guten Roman schreibt« (das Buch von James N. Frey kann man übrigens durchaus empfehlen).
Nein, der Autor Andreas Gruber (er schrieb den Bestseller »Der Judas-Schrein«) hat sich einmal über das Gegenteil Gedanken gemacht: Wie vernichten angehende Schriftstellerinnen und Schriftsteller ihre eigenen – auch die letzten – Chancen, je veröffentlicht zu werden?
Es sind insgesamt 30 Ratschläge, die er dazu gibt (und die man tunlichst nicht befolgen sollte!), deshalb werde ich das auf mehrere Beiträge verteilen, denn auf einmal ist das wirklich zuviel.
Fangen wir an:
* * *
Wie man keinen erfolgreichen Roman schreibt
30 Tipps, die man als Schriftsteller unbedingt beachten sollte
von Andreas Gruber
Vorbemerkung
Sachbücher, die das Schreiben erfolgreicher Romane lehren, gibt es heutzutage wie Sand am Meer. Mittlerweise ist es im deutschsprachigen Raum sogar soweit gekommen, dass man mit Autorenworkshops regelrecht überflutet wird – beinahe an jeder Häuserecke steht jemand, der einem das Schreiben beibringen möchte, ob man nun will oder nicht. Kurse auf Conventions, Volkshochschulen und Bundesakademien stehen praktisch an der Tagesordnung, und wohin man blickt wird einem ein Regelwerk an Tipps und Tricks angeboten, womit man erfolgreiche Romane beinahe mühelos entwerfen und schreiben kann. Mittlerweile kann heutzutage praktisch jeder einen erfolgreichen Roman runtertippen, mit dem er problemlos auf den Bestsellerlisten aller großen Tageszeitungen landet und sogar neben Literaturnobelpreisträgern wie Thomas Mann, Hermann Hesse, William Faulkner, Ernest Hemingway oder John Steinbeck in die Annalen der Literatur eingeht. Das ist keine Kunst mehr, auf die man stolz sein sollte!
Was dabei jedoch vergessen wurde zu lehren, ist die Frage: Wie man keinen erfolgreichen Roman schreibt. Jene in Vergessenheit geratene Kunst soll mit diesem Artikel ganz anderer Art in Erinnerung gerufen werden. In den nachfolgenden dreißig Ratschlägen ist dieses treffsichere und praktisch anwendbare Wissen zu einem Artikel über Uncreative Writing zusammengefasst worden, den ich jedem Autor unbedingt ans Herz legen möchte. Lesen Sie die Ratschläge immer und immer wieder durch, wenden Sie die Tipps geschickt an und verinnerlichen Sie deren Inhalt. Mit etwas Glück gelingt es Ihnen, und Sie schreiben tatsächlich keinen erfolgreichen Roman.
Tipp Nr. 1: Spannung bis zur letzten Seite garantieren
Der wichtigste Punkt überhaupt ist es, den Leser so lange wie möglich darüber im unklaren zu lassen, ob der Roman nun in einer Fantasy- oder Sciencefiction-Welt spielt. Diese Unklarheit ist für den Leser deshalb so notwendig, da er nicht zu wissen braucht, ob er sich innerhalb des Romans in einer Welt befindet, deren Regeln nach ihm bekannten Gesetzen funktionieren, wie es bei der Sciencefiction der Fall ist, oder nach ihm unbekannten, neuen magischen Gesetzen, wie es bei der Fantasy der Fall ist.
Warum, werden Sie jetzt fragen? Der Leser könnte sich daran orientieren und würde daher den Roman in einem völlig anderen Blickwinkel sehen. Um genau das zu verhindern, müssen wir ihn so lange wie möglich auf die Folter spannen. Er soll doch nicht wissen, woran er ist!
Das schönste Kompliment, das ein Leser einem Autor machen kann, ist daher folgendes: »Bis zur letzten Seite Ihres Buches war ich ratlos und wusste nicht, ob es ein Fantasy- oder Sciencefiction-Roman war. Als sich schließlich auf der vorletzten Seite herausstellte, dass es ein Western war, raubte es mir den Atem. Ich war überrascht! Gratulation! Dieses Spannungsmoment ist Ihnen wirklich hervorragend gelungen!«
Tipp Nr. 2: Unnötige Vorarbeiten vermeiden
Verschwenden Sie keine Zeit, um Handlung, Schauplätze und Charaktere zu entwickeln, denn die entwickeln im Laufe des Schreibens ohnehin ein Eigenleben, das Sie als Autor nicht mehr steuern können. Wozu also den Prozess der Kreativität und Spontaneität behindern, etwa durch den Entwurf eines in sich stimmigen Exposés, eines plausiblen Konzepts, raffiniert in die Handlung eingeflochtener Exposition und langwieriger Dossiers aller Protagonisten, die ohnehin kein Mensch braucht, da Sie sowieso nur e