Mittlerweile stellt sich für mich diese Frage immer wieder neu. Schon am Ende des Jahres 2021 wollte ich eigentlich aufhören zu schreiben. Damals war es das 25. Jahr des Verlags, das 25. Jahr seit Taxi nach Paris.

Wie unschwer zu erkennen ist, gibt es die édition el!es immer noch, gibt es mich als Verlegerin und als Autorin im Jahr 2026 immer noch. Die Begeisterung, Schriftstellerin zu sein und auch Verlegerin zu sein, hat mich einfach nicht verlassen. Ich war nur sehr erschöpft nach der vielen Arbeit.

Manchmal ist das schlicht der Grund, warum man etwas aufgeben will: Erschöpfung. Vor allem dann, wenn man sich zu wenig Erholung gegönnt hat, wie ich es getan habe. Meine Frau und ich fahren fast nie in Urlaub, kennen das Wort Wochenende eigentlich überhaupt nicht. Feste Arbeitszeiten gibt es ebenfalls nicht und somit auch keinen Feierabend.

Kein Wunder, dass wir da oft sehr erschöpft waren und manchmal immer noch sind.

Das Alter spielt natürlich auch eine Rolle. Ich bin nun wirklich in dem Alter, in dem man normalerweise in Rente geht.

Normalerweise. Das heißt, wenn man angestellt gearbeitet hat. Was ich nicht tue. Für Selbstständige gilt dieses „Normalerweise“ meistens nicht. Wir sind wohl nicht normal. 😎

Hinzu kommt, dass der Kopf einer Schriftstellerin schlichtweg nicht aufhören will zu arbeiten, auch wenn man ihn gern in Rente schicken würde. Das ist gar nicht so leicht. Was nur eine abgeschwächte Umschreibung für Es ist unmöglich darstellt.

Dieses Jahr, das Jahr 2026, ist das 30. Jahr des Verlages. Eigentlich dachte ich, das wäre doch nun tatsächlich ein guter Zeitpunkt aufzuhören. Vor ein paar Tagen habe ich das Buch beendet, das eigentlich mein letztes sein sollte.

Zweimal „eigentlich“ im letzten Absatz. Was will uns die Autorin damit sagen?

Ja, genau. Wenn man eigentlich sagt, meint man meistens das Gegenteil. Man will es nur nicht so direkt ausdrücken.

Als Schriftstellerin weiß ich sehr gut, welche Wörter ich wie verwende und warum. Es ist Absicht, kein Zufall. Das war nun jahrzehntelang mein Beruf. Und ist es immer noch. Wird es immer sein. Ich beherrsche meine Muttersprache, setze sie ganz gezielt ein. Sie ist für mich gleichzeitig Werkzeug und Genuss. Ich genieße schöne Sprache wie ein gutes Essen. Und möchte genauso wenig darauf verzichten.

Wenn ich also wie hier in diesem Blogbeitrag quasi mit mir selbst spreche, merke ich, welche Wörter ich benutze, und merke, dass meine Sprache auch für mich selbst verräterisch ist.

Das ist sie für jeden Menschen. Die meisten Menschen wissen das nur nicht.

Ich weiß es allerdings sehr genau. Ich kann mir noch so oft einreden wollen, dass ich langsam in Rente gehen sollte, dass ich aufhören sollte, dass ich zu alt bin, um immer noch so viel zu arbeiten – das nützt alles nichts.

Warum ich das alles schreibe? Weil ich gerade eben schon wieder über ein neues Buch nachgedacht habe. Es kam mir eine Idee, und ich habe versucht, sie zu entwickeln. Ich kann einfach nicht anders.

Kaum habe ich ein Buch beendet, denke ich über das nächste nach. Selbst wenn ich noch sehr erschöpft vom letzten Buch bin – das nun ja angeblich tatsächlich mein letztes sein sollte, mein allerletztes –, weil ich es nach wie vor hasse, Schlüsse zu schreiben. Das ist immer extrem anstrengend für mich.

Und diese Anstrengung ist wie gesagt erst ein paar Tage her.

Aber was soll ich machen? Schreiben war schon immer mein Leben, und ich kann das einfach nicht ignorieren. Ich lebe nicht, wenn ich nicht schreibe. Selbst wenn ich viele andere Dinge tue, die mir Spaß machen, wie zum Beispiel meine Musik, die ich mit dem Saxophon oder dem Klavier spiele.

Auch darauf möchte ich nicht verzichten, und dennoch kann ich durchaus ein paar Tage leben, ohne mein Saxophon oder Klavier anzufassen. Ohne zu schreiben? Schwierig.

Das sagt schon alles.

Es ist nicht meine Entscheidung, wann ich aufhöre.

Wahrscheinlich muss ich so lange warten, bis ich tot umfalle. 😊